Exulanten

16. Jahrhundert

Vertreibung von Protestanten
Der Augsburger Religionsfriede hatte 1555 das Recht des Landesherren festgeschrieben, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen: Culius regio, eius religio! Wer jedoch nicht bereit war, den Glauben seines Herrschers anzunehmen, erhielt das Recht, sein Land zu verlassen. Dieses Recht aber durfte nur beanspruchen, wer ein »freier Mann« war. Unter dieser Voraussetzung konnte die fahrbare Habe mitgenommen und das unbewegliche Eigentum verkauft werden.

Etwa Neun Zehntel der Bauern hatten zu gehorchen, wenn der Grundherr die Religion diktierte. Ende des 16. Jahrhunderts war die Bevölkerung des alten Deutschland vorwiegend evangelisch, und so wurden Protestanten nur vereinzelt in Bayern und Tirol verfolgt, die kaum von der Reformation berührt wurden. Katholiken konnten nicht verfolgt werden, da der Kaiser immer noch katholisch war, und Verfolgte in Schutz nehmen konnte.

1596 begann im Südosten des alten Reiches eine grausame Gegenreformation: Ferdinand, der spätere Kaiser, kam in Innerösterreich (Kärnten und Steiermark) an die Macht, und erwies sich als Todfeind der »Ketzer«. Lehrer und Pfarrer wurden auf einen Schlag vertrieben und fanden in evangelischen Ländern Zuflucht: Franken, Württemberg, Nürnberg und der Oberpfalz. 1617 mußten sie alle die Pfalz verlassen, da Ludwig von Pfalz-Neuburg anläßlich seiner katholischen Heirat konvertierte und rücksichtslos eine Gegenreformation durchführte. Viele fanden Zuflucht im Raume Linz an der Donau, bis auch dort 1625 die Gegenreformation hereinbrach.

In den Böhmischen Landen begann die Gegenreformation bereits 1611, also 2 Jahre nach dem »Majestätsbrief« Rudolf des Zweiten im Herzogtum Teschen. Kurz nach Beginn des »Böhmischen Aufstandes« starb Kaiser Matthias. Als Friedrich der Fünfte, der Winterkönig von der Pfalz, geschlagen wurde, konnte der Kaiser das ganze Land zurück erobern. Seit 1619 regierte Ferdinand der Zweite gnadenlos, ein Todfeind der Ketzer. Nun wurden die evangelischen Pfarrer und Lehrer verjagt, und die Pfarrkinder folgten. Die Exulanten gingen nach Franken, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Deutsch-Ungarn, wo seit 1624 Glaubensfreiheit herrschte. Ferdinand der Zweite hatte nachgeben müssen, da die Gefahr bestand, daß aufständische ungarische Adelige sich mit den Türken verbündeten …

Aus den Böhmischen Gebieten gingen Deutsche Exulanten nach Deutsch-Ungarn, Franken und Württemberg, wogegen sich Tschechen in den slowakischen Teilen Ober-Ungarns ansiedelten. In einer »Preßburger Chronik« ist festgehalten, daß in manchen Städten "kaum 3 Schuster" zurückblieben … Diese Chronik spricht von Iglau, wo der letzte evangelische Pfarrer am 1. Oktober 1622 mit seinem Diakon vertrieben wurde. Sie wandten sich, wie viele Iglauer, nach Ödenburg.

Ein Taufeintrag erschüttert:

»1624, 2. September: Eodem ein Töchterlein getauft meinem lieben Landsmann von Iglau aus Mährenland, Meister Michael Krumm, einem Tuchscherer, und seiner lieben Hausfrauen, welche den 31. August als Exules alhiero kamen«
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer