Exulanten

18. Jahrhundert

1. Mai 1732: Friedrich Wilhelm I begruesst Exulanten vor seinem Potsdamer Palais
Friedrich Wilhelm I
begruesst am 1.5.1732 Exulanten
vor seinem Potsdamer Palais
Anfang des 18. Jahrhunderts wechselte in Dresden der Churfürst August der Starke zum katholischen Glauben, weil ihm die Krone des Königreiches Polen »eine Messe wert war«. Die Bevölkerung fürchtete das Schlimmste, aber August war klug genug, auf eine Gegenreformation zu verzichten. Seit dem hatte nun das evangelische Sachsen einen katholischen Regenten …

In Schlesien galt zwar Religionsfreiheit, aber im Fürstentum Oels, den Herzogtümern Liegnitz-Brieg-Wohlau und in der Stadt Breslau blieb das Recht des »Cuius regio, eius religio« bestehen. Die dortigen Fürsten unterstanden als »Mediatfürsten« direkt dem Kaiser, der seinerseit etliche der 1648 im Westfälischen Frieden vereinbarten Rechte mißachtete. 1707 baten die Protestanten in Schlesien den Schwedenkönig Karl den Zwölften, er möge für sie eintreten. Er zwang darauf Kaiser Joseph den Ersten, die Bestimmungen des Westfälischen Friedens einzuhalten. Zusätzlich erwirkte er die Errichtung von 6 »Gnadenkirchen«. Die Kirche in Teschen gehörte nach 1740 noch zu Österreich, und etwa die Hälfte Schlesiens blieb evangelisch.

Dennoch wurde in den Habsburger Ländern der Druck auf die Evangelischen immer größer: Viele blieben als »Geheimprotestanten« in der Heimat zurück, und konnten nur in finsteren Bergwäldern einem Gottesdienst lauschen, den ein »Buschprediger« hielt, der unter Lebensgefahr über die Grenze kam. Viele folgten dem Ruf des Grafen Ludwig Nikolaus von Zinzendorf, welcher in der Ober-Lausitz den Ort Herrnhut gegründet hatte. Von dort entstand die weltumspannende Gemeinschaft der Herrnhuter, deren Missionare nach Grönland, durch Südafrika, an den Rand Sibiriens oder Nordamerika zogen.

1732 war die Vertreibung großer Menschenmassen nicht mehr allgemein üblich, doch dem Erzbischof von Saltzburg (damals Reichsfreies Land) war die Herrschaft über »Ketzer« unerträglich geworden.
Ankunft der Salzburger in Königsberg
Ankunft der Salzburger in Königsberg
Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm der Erste, nahm die Vertriebenen auf, und sorgte dafür, daß das Erzbistum Salzburg auf Heller und Pfennig Ersatz für das zurück gelassene Eigentum der Exulanten zu leisten hatte. Diese Zahlungen wurden fast bis zum Untergang des Alten Reiches, also bis 1803, geleistet. Gelder, deren Eigentümer nicht mehr zu ermitteln waren, fanden für wohltätige Zwecke Verwendung: In Gumbinnen (Ostpreußen) entstand die »Salzburger Anstalt« für alte, kranke und verarmte Salzburger.

Kleine Teile der Salzburger sind im südlichen Niedersachsen bei Göttingen untergekommen, in den Niederlanden im Delta der Mündungen von Maas und Rhein, und einige bilden noch heute im Bundesstaat Georgia der Vereinigten Staaten von Amerika eine kleine Gemeinschaft.

Auch in Polen begann jetzt die Gegenreformation. So hat die »Bielitzer Sprachinsel« ihr östlichstes Dorf verloren: Die Seibersdorfer Einwohner wanderten 1770 nach Preußisch Schlesien aus. 1772 erfolgte die Teilung Polens, und Galizien fiel an Östereich. Nur 9 Jahre später erließ Kaiser Josef der Zweite das Toleranzpatent.

Österreich war das letzte deutsche Land, welches die Gleichberechtigung der Religionen anerkannte. Erst 1861, 80 Jahre nach dem Toleranzpatent, wurden durch Kaiser Franz Josef I mit dem Protestantenpatent viele Beschränkungen aufgehoben: Nun konnten zum Beispiel Evangelische auch Staatsbeamte werden.

Es dauerte nur 84 Jahre, bis das Jahr 1945 restlos (?) mit den alten Werten aufräumte. Auch im Jahre 2015 gilt noch das Wort eines gewissen Edvard Benesch: Lieber »über eine Wüste herrschen als über - Deutsche«. Auch seine haßerfüllten Taten haben üble Spuren ausgetreten. Was wird die Zukunft in einem vereinten Europa außer wohl klingenden Worten wirklich bringen?
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer