Böhmen

Gerichtsbarkeit 1630

Die Fiedel
Die Fiedel
Der Stock
Der Stock
In den Patrominialämtern und Ortsgerichten kam eine Vielzahl von Marterwerkzeugen zum Einsatz, um kleine Vergehen und Unterlassungen der Untertanen in Robotangelegenheiten zu bestrafen.

Neben Hals-, Hand- und Fußeisen wurde die Fiedel benutzt. Dieses »Instrument« aus Holz zwängte besonders bei Frauen Hals (große Öffnung) und Arme (2 kleine Öffnungen) in sehr unbequeme Haltung. Auch der »Stock« diente dazu, den Übeltäter einzuklemmen. Dabei sorgten die oberen Öffnungen für die Fixierung der Hände, mit den unteren wurden die Beine bewegungsunfähig gemacht.

Ehebrecher wurden geköpft, Diebe und Räuber mit Kette oder »Wede« (gedrehte Weidenrute) gehenkt, Mörder gerädert oder gespießt. Der Grundherr hatte seinen Untertanen die richterliche Gewalt in Strafsachen überlassen. Die so genannte »Dingbank« bestand in der Stadt aus dem Bürgermeister, einem Richter, den Geschworenen, Ältesten oder Schöppen. Auf dem Land waren die Befugnisse des Scholzen (Erbrichter) und seiner Schöppen von der Willkür des Besitzers der Herrschaft oder seines Amtmannes abhängig.

Ein Kontrakt vom 17. Juni 1630 beschreibt die festgesetzte Entlohnung des Scharfrichters. Die uns als barbarisch erscheinenden Strafen erlangten ihre Grundlage durch am 31. Juli 1532 von Kaiser Karl V. erlassene »Hals und Peinliche Gerichtsordnung«. Unter anderem kennt sie folgende Religionsverbrechen:
Gotteslästerung, Abfall vom christlichen Glauben, Zauberei, Wahrsagerei, Verbreitung christlicher Irrlehren, Meineid und Falschheit.

Als Folge der sehr häufigen Diebstähle waren die Strafen entsprechend schwer: Für kleine Diebstähle Kerker, Stellung an den Pranger, Ausweisung aus der Herrschaft. Schwerer Diebstahl und Einbruch wurde mit dem Strange (Männer) bestraft, Weiber im Wasser ertränkt, eventuell Ausstechung der Augen oder Abhauung einer Hand.

Todesstrafen wie Vierteilen, Rädern, Hängen wurden nur gegen Männer vollstreckt. Frauen wurden lebendig begraben, ertränkt oder gepfählt. Enthaupten und Verbrennen kam gegen beide Geschlechter zur Anwendung. Erst ein Dekret gegen Ende des 18. Jahrhunderts beendete diese Praxis.

Nr. Verrichtung Entgelt
1 Von gütlichen, scharfen Fragen, sie geschehen an der Person drei- oder viermal, soll gegeben werden 1 Schock
2 Von peinlichen, scharfen Fragen (Torturen), sie geschehen an der Person drei- oder viermal 4 Schock
3 Vom Stäupenschlagen, zu dem bisweilen nach Verbrechen der Person erkannt wird, Zeichen zu brennen, Ohren abschneiden, Hand und Finger abschlagen 3 Schock
4 Mit dem Schwerte den Kopf abschlagen und nach Erkenntnis des Urtheiles den Kopf auf die Stange oder einen Pfahl durch den Leib treiben, todt aufs Rad legen 10 Schock
5 Wenn aber der Körper verbrannt wird, dazu 5 Schock
6 Von lebendig verbrennen, entweder auf's Kreuz setzen oder auf der Erde schleifen oder auf dem Scheiterhaufen verbrennen 10 Schock
7 Vom Zangenzwicken auf dem Platze oder Markte und auf der Schädelstätte, Riemen schneiden und lebendig auf's Rad legen 10 Schock
8 Vom lebendig begraben und einen Pfahl durch schlagen 10 Schock
9 Von Einem, der sich selbst entleibt, entweder mit dem Strange, im Wasser oder mit Waffen 10 Schock
  Weiter dem Scharfrichterknecht von jeder Person Trinkgeld 1 Schock
10 Vom Henken mit dem Strang »allhier allezeit gebn worden« 2 Schock
  Wenn solche Personen wieder abgenommen werden, von jeder 2 Schock
  Dem Stadtrichter gebührten für die Begleitung des Verurteilten zum Richtplatz 2 Schock
  Dem Gerichtsboten für das Ausrufen des Delikts und für das Läuten der Armesünderglocke je 35 Kreuzer

Erklärung der Einheiten:

1 Schock ₌ 1 Gulden 9 Kreuzer
1 Gulden ₌ 60 Kreuzer; 1 Kreuzer ₌ 4 Pfennige; 1 Denar ₌ 1 Pfennig
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer