Böhmen

Frohn und Robot 1790

Archivalien
Ein kaiserliches Patent eröffnete am 13. August 1775 die Möglichkeit, die von den Bauern zu leistende Zwangsarbeit in eine Geldabgabe umzuwandeln. Je nach Größe der Wirtschaft waren teils mehr als 100 Hand- oder Fahrrobottage jährlich zu verrichten. Abgeleitet von der Tätigkeit wurde der bäuerliche Besitz als Hand- oder Fahrgut bezeichnet.

Je nach Größe des Besitzes hatten einfach Behäuselte 13, halbe 26 und ganze Häusler 39 Handtage zu erbringen. Selbst Inwohner (Mieter) ohne eigenen Grundbesitz und ohne Vermögen mußten 13 Tage auf einem zugewiesenen Hof abarbeiten. Zusätzlich waren durch alle Besitzer eines eigenen Hausstandes der Grundzins (je nach Zahltag auch Galli- oder Georgi-Zins genannt), das so genannte Spinnerverschonungsgeld, das Kapaunergeld (Hühnergeld) sowie der Fischwasserzins zu entrichten. Der Getreidezins wurde in der Regel durch die Ablieferung von Naturalien beglichen.

Diese Verhältnisse blieben bis zum 31. August 1848 bestehen. An diesem Tage beschloß der Reichstag zu Wien die völlige Aufhebung aller aus dem Unterthänigkeitsverhältnisse anklebenden Lasten. Für die Robot wurde eine billige Ablösung festgelegt: Inleute und Häusler brauchten nicht abzulösen, alle übrigen hatten ein Drittel der Robotleistung mit 6 Kreuzern pro Tag zu bezahlen. Ein Drittel löste der Staat ab, und auf das letzte Drittel hatte die Grundherrschaft zu verzichten. So erkauften die Bauern ratenweise ihren Grund und Boden vom ehemaligen Herrn.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer