Sudeten

Entwicklung 1918 - 45

Nach Verhandlungen zwischen Tschechen, Slowaken und Amerikanern in Pitsburgh wird am 30. Mai 1918 ein tschecho-slowakischer Nationalstaat ausgerufen, und am 3.9.1918 durch Frankreich, Italien, England und die USA anerkannt. In Paris erfolgte bereits am 26.9.1918 die Ernennung von Masaryk als Präsident und Benesch als Außenminister, obwohl die Proklamation der ČSR erst am 28.10.1918 erfolgte  … Diese Republik erhielt das Hultschiner Ländchen, von Österreich Gebiete bei Gmünd und Feldsberg, von Ungarn die Slowakei und Karpatenrußland, die Gegend um Teschen wurde 1920 zwischen der ČSR und Polen aufgeteilt. Am 13.11.1918 erklärten sich die in den Provinzen »DeutschBöhmen« und »Sudetenland« lebenden Deutschen zu Bestandteilen der Republik DeutschÖsterreich.

Bereits am 14. März 1919 sprach sich die Österreichische Nationalversammlung für den Anschluß an das Deutsche Reich aus. Die Alliierten erklärten diesen Beitritt für unwirksam, setzten am 10. September 1919 den Vertrag von St. Germain durch, es kam zur Verschiebung der deutsch besiedelten Gebiete an die Tschechoslowakei. Die Karte entspricht dem Ergebnis der Volkszählung vom 1.12.1930, und zeigt auf, welche Gebiete 1918 durch Tschechoslowakische Truppen besetzt worden sind.

Deutschsprachige Gebiete der ČSR 1930
1930 Forderung der Kommunistischen Partei auf ihrem Parteitag in Prag nach Selbstbestimmung der Nationen bis zur Loslösung vom Staat, im Prager Stadtgebiet Ausschreitungen gegen Deutsche.

1933 Gründung der Sudetendeutschen Heimatfront durch Konrad Henlein, 1935 Verbot des Namens und Änderung in Sudetendeutsche Partei. Benesch wird nach Masaryks Rücktritt Staatspräsident.

1938: England entsendet im Juli einen Beobachter und Vermittler in die ČSR. Obwohl Benesch am 5. September den deutsch besiedelten »Gauen« territoriale Autonomie und die Gleichstellung der Sprachen zubilligt, bezeichnet Lord Runciman am 11. September in seinem Abschlußbericht die Politik der Tschechen als taktlos, verständnislos, unduldsam und diskriminierend.

Unter Führung der sudetendeutschen Sozialdemokratie traten gemäßigte Kräfte noch bis zum 15. September für eine Autonomie im Rahmen des tschechischen Staates ein. Dennoch kommt es am 19. September zu gleichlautenden Noten von Chamberlain und Daladier mit der Forderung an Prag, die Gebiete mit mindestens 50% deutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich abzutreten.

Propaganda (Okt. 1938)
Benesch erteilt schon zwei Tage später seine Zustimmung in Form einer schriftlichen Note, und so wird auf dieser Basis am 29.9.1938 das Münchner Abkommen geschlossen. Schon am 1. Oktober regelt ein Erlaß die Verwaltung, Polen annektiert nun die Region um Teschen, und so gelangt das Hultschiner Ländchen zum Landkreis Ratibor. Mit Wirkung vom 20.11.1938 präzisiert eine Vereinbarung den neuen Grenzverlauf, bis am 15.3.1939 die völkerrechtswidrige Besetzung der Rest-ČSR durch deutsche Truppen erfolgt.

Hitler, der vor allem am Bündnis zwischen Prag und Moskau Anstoß nahm, wollte die ČSR zerschlagen, und stellte die sudetendeutsche Frage unter das Prinzip der nationalen Selbstbestimmung. Die Prager Regierung gab dem Druck aus London und Paris nach. Seit dem ist man schnell geneigt, die Sudetendeutschen als besonders radikale Nationalisten anzusehen - obwohl diese nur ihre Heimat und ihr Volkstum behaupten wollten. Mit Sicherheit wäre wohl bereits 1919 ein Anschluß an das demokratische Deutschland unter Friedrich Ebert erfolgt, wenn nicht durch die Alliierten in St. Germain das Selbstbestimmungsrecht ignoriert worden wäre.

1945 verloren 12 Millionen Deutsche ihre Heimat, etwa ein Viertel der Betroffenen fand dabei den Tod durch Mord und Mißhandlungen, Hunger und Seuchen. Böhmen wurde durch US-Truppen besetzt, die sich aber wieder über die Grenze zurück zogen, um der Roten Armee den Einmarsch zu ermöglichen. Am 31.5.1945 Brünner Todesmarsch (Vertreibung von 25.000 Deutschen ohne jedes Gepäck und Lebensmittel nach Österreich, etwa 1.500 Tote).

Stalin hatte nach dem Kriegsende bereits eigenmächtig in den Gebieten östlich von Oder und Lausitzer Neiße eine polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung eingerichtet. Die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz haben das zwar am 2. August 1945 anerkannt, jedoch soll die endgültige Grenzfestlegung erst in einem Friedensvertrag erfolgen …

Das Land ist geblieben, aber die Veränderungen werden von denen schmerzlich empfunden, die darin gelebt haben und vergleichen können. Der Vergleich verschobener Grenzen lädt dazu ein, den Denkmälern der Vergangenheit mit offenen Augen entgegen zu treten.
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer