Böhmen - Hennersdorf bei Gabel

Kurze Ortsgeschichte 1260 bis 1945

Wappen Hennersdorf
Wappen Hennersdorf
Deutsche Siedler haben sich um das Jahr 1260 in jenem Ort, der heute im Norden der Tschechischen Republik an der Straße von Gabel (Jablonné v Podještedi) nach Wartenberg (Stráž pod Ralskem) liegt, niedergelassen. Der tschechische Heimatforscher Sedlacek sagt in seinem »Historischen Ortsverzeichnis des Königreiches Böhmen« über Hennersdorf: »Seinen Namen »Dubnice« erhielt es von den Tschechen nach dem Bache, während es von den Deutschen nach dem Gründer Heinrich, »Heinrichsdorf« (lateinisch henricivilla) genannt wurde.«

Böhmische Bischöfe und Grundherren waren darum bemüht, Bauern und Handwerker durch die Zuteilung von Land für die Kultivierung der Landschaft und die Rodung unbewohnter Waldgebiete zu gewinnen. Die Urbarmachung und Erschließung des dünn besiedelten Landes durch die Siedler sicherte den Herrschern sowohl eine Vergrößerung ihres Machtbereiches, als auch gesteigerte Einnahmen.

Kirche St. Maria Geburt zu Hennersdorf
Kirche St. Maria Geburt zu Hennersdorf
Seit 1352 bestand eine eigene Pfarrkirche, welche mehrfach in den Aufzeichnungen der Prager Erzdiözese erwähnt worden ist. Diese erste, hölzerne Kirche wurde zwischen 1599 und 1662 auf dem gegenüber liegenden Hügel durch einen Neubau ersetzt. 1698 brannte die Kirche nieder.

Auf Betreiben des damaligen Grundherren wurde noch im Katastrophenjahr mit dem Wiederaufbau begonnen, und nach nur dreijähriger Bauzeit konnte die Weihe der nun in massiver Bauweise errichteten Barockkirche schon 1702 vollzogen werden.

Die durch den Dreißigjährigen Krieg dezimierte Einwohnerzahl wurde durch Flucht aus religiösen Gründen abermals vermindert. Knapp die Hälfte der Einwohner wollte evangelisch bleiben, und verließ den Ort. So verblieben um 1655 noch etwa 200 Menschen in Hennersdorf. Vor dem Krieg existierten 70 Bauerngüter, 10 Feldgärtner, 32 Gärtner und Häusler. Es waren eine Kirche mit Pfarrhaus und eine herrschaftliche Mühle vorhanden. 1654 sind in der Steuerrolle 28 Bauernhöfe, 3 Feldgärtner und 6 Häuslerstellen als zerstört verzeichnet.

Nach 1850 setzte eine rege Bautätigkeit ein, Häuser und Stallungen wurden von Grund auf neu gebaut. 1867 wurde die freiwillige Feuerwehr gegründet, 1898 ein zweites Feuerwehr-Gerätehaus errichtet. 1872 entstand ein Militär-Veteranen-Verein, der Theater-Dilettanten-Verein wurde ins Leben gerufen. 1874 bildete sich eine landwirtschaftliche Genossenschaft zur gegenseitigen Hilfe der Bauern. 1896 wurden die Gedanken einer gemeinsamen Schweinezucht verwirklicht. Eine weitere Pioniertat war 1897 die Gründung der »Ersten Molkereigenossenschaft zu Hennersdorf«. Nach diesen guten Erfahrungen entstand im Jahre 1900 die Spar- und Darlehenskasse »Raiffeisen«. 1909 folgte die Maschinen- und Dreschgenossenschaft. Das Jahr 1921 brachte den technischen Fortschritt durch elektrischen Strom für Antriebe und Beleuchtung in das Dorf.

Hennersdorf: Den treuen Söhnen der Heimat
Hennersdorf: Den treuen Söhnen der Heimat
Denkmal für die Kriegsopfer 1914 bis 1918
Die Zeit der »Goldenen Jahre« zwischen 1866 und 1914 kam wie ein Schock zum Stillstand, als am 1. August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Eine Sammlung jagte nun die andere: Brombeerblättertee, Metalle, Kautschuk, Nesseln, Papier - alles wurde an die Front geschickt, oder »versilbert«. Die Glocken rührten mit klagendem Ton an's Gemüt, als sie zu Kriegszwecken zerschlagen wurden. Kaum eine Familie blieb vom Verlust eines Mannes oder Sohnes verschont. 1923 erhielt die Kirche neue Glocken, damit die stumme Zeit aufhören möge. Vom 7. bis 9. Juli 1928 wurde das Heimatfest festlich begangen.

Im Januar 1939 wurden die ersten Jugendlichen zum Dienst in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Für viele Menschen, die Soldat sein mußten und denen der Krieg zuwider war, brach eine Welt zusammen: Jahre in Uniform, und einem ungewissen Schicksal ausgeliefert, das war der Preis für den Anschluß an das Deutsche Reich am 1. Oktober 1938. Der Krieg erzwang Einschränkungen in allen Bereichen, und selbst im Frühjahr 1945 wurden nur noch die dringendsten Feldarbeiten erledigt. Die Einstellung der Kampfhandlunge am 8. Mai 1945 war ein kurzer Trost, es folgten Tage ohne Ruhe. Die Belastungen hielten an. Eine »Nationale Verwaltungskommission« (Narodni Vybor - cislo 874 - 1945, Dubnice) übernahm den Ort.

Die ersten deutschen Einwohner wurden am 27. Juli 1945 vertrieben, sie mußten um 5 Uhr morgens am Gasthof erscheinen. Sachen für den täglichen Gebrauch waren zwar erlaubt, aber nur, soweit diese getragen werden konnten. Die letzten Ausgewiesenen mußten in den frühen Morgenstunden des 30. August 1945 Hennersdorf verlassen. Wieder war Oberoderwitz das Ziel des Trecks, wo die Vertriebenen ihrem weiteren Schicksal überlassen blieben. Nirgendwo fanden sie ihr Heimatdorf wieder, mit liebgewonnenen Menschen und der vertrauten Kultur  …
© Familienforschung Oskar, Rolf & Olaf Steuer